Vererben - aber richtig

Geschrieben von RA R. Teepe. Veröffentlicht in Erbrecht

 

Vererben – aber richtig

In Deutschland werden jährlich über 150 Milliarden Euro vererbt. Sofern der Erblasser für den Erbfall keine besondere Anweisung getroffen hat, gilt hierbei die gesetzliche Erbfolge, nach welcher das Vermögen üblicherweise zwischen dem Ehegatten bzw. den Nachkommen des Erblassers aufgeteilt wird. Diese gesetzlichen Vorgaben werden dem Willen des Erblassers jedoch nicht immer gerecht.

Um den Übergang des eigenen Vermögens sinnvoll und nach dem jeweiligen Wunsch zu gestalten, ist es sinnvoll, den letzten Willen frühzeitig – auch schon in jungen Jahren – zu fixieren. Der Erblasser hat hier umfangreiche Möglichkeiten, die Rechtsnachfolge verbindlich zu regeln. Beschränkt wird er nur durch die gesetzlichen Regelungen zum Pflichtteil, welcher bestimmten gesetzlichen Erben in bestimmter Höhe zusteht. Ein grundsätzliches Enterben ist nach unserem Rechtssystem kaum umsetzbar, da an die Voraussetzungen sehr strenge Anforderungen gestellt werden und nur schwerwiegendste Gründe einen Ausschluss von der Erbfolge rechtfertigen können.

Den letzten Willen richtig zum Ausdruck bringen

Grundsätzlich gilt jedes ordnungsgemäß und formell richtig aufgesetzte Testament. Hierbei sind an ein handschriftliches Testament jedoch sehr strenge Anforderungen gestellt, welche bei Nichtbeachtung dazu führen können, dass der zum Ausdruck gebrachte Wille tatsächlich nicht beachtet wird. Zudem bedarf es einer durchdachten Wortwahl, damit es nicht aufgrund von unklaren Formulierungen zu unerwünschten Folgen oder Streitigkeiten unter den Erben kommt.

Aufgrund der vorgenannten Problematik ist es demjenigen, der sich Gedanken um seinen Nachlass macht und sich um seine zukünftig Hinterbliebenen sorgt, dringend anzuraten, ein notarielles Testament zu verfassen. Hier können durch die Beratung des Fachmanns Fehler vermieden und Streitigkeiten erspart werden. Der Erblasser stellt somit sicher, dass sein Erbe diejenigen erreicht, denen das Erbe bzw. Nachlassteile wie Geldbeträge oder bestimmte Gegenstände vermacht werden sollen. Zudem lassen sich durch die richtige Beratung möglicherweise auch Erbschaftssteuern sparen.

Gegenseitige Testamente und Erbverträge

Da einseitig aufgesetzte Testamente jederzeit widerrufbar sind, häufig aber zwischen Personen wie z.B. Eheleuten eine starke Bindung gewollt ist, sind gegenseitige Testamente oder Erbverträge zu überdenken. Damit kann verhindert erden, dass z. B. der länger lebende Ehepartner das Testament abändert und anderweitige letztwillige Verfügungen trifft.

Erbverträge und gegenseitige Testamente bieten eine starke Bindung an den gemeinsamen Willen beider Beteiligten. Diese Formen der Nachlassregelungen können einseitig später nicht ohne weiteres geändert werden. Mögliche Ereignisse, wie Trennung der Parteien, Entwicklung der Kinder oder sonstige für die Parteien wesentlichen Veränderungen können allerdings bereits bei der Verfassung des letzten Willens durch entsprechende Klauseln berücksichtigt werden.

Schenken statt Vererben

Eine weitere, unter Umständen sogar schönere Möglichkeit, sein Vermögen an die nachfolgenden Generationen zu übertragen, ist, zu Lebzeiten „mit warmer Hand zu schenken“ als nach dem Tod durch Testament „mit kalter Hand zu vererben“. So lässt sich durch frühzeitige Verfügungen über das Erbvermögen bzw. Teile dessen ebenfalls der eigene Wille verwirklichen, wobei man hierbei die Dankbarkeit der „Erben“ noch selbst miterleben kann. Doch auch bei dieser Form der Übertragung ist es dringend angeraten und teilweise auch erforderlich, sich steuerlicher, anwaltlicher und insbesondere notarieller Hilfe zu bedienen.

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